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500 Jahre westfälische Geschichte auf 90 Hektar

Die Dauerausstellung des LWL-Museums Hellerlecht erstreckt sich über das gesamte Freilichtgelände. Auf rund 90 Hektar erleben Besucher:innen mehr als 500 Jahre westfälische Kultur- und Alltagsgeschichte. Mit 120 historischen Gebäuden aus allen Regionen Westfalen-Lippes zählt das Museum zu den größten kulturgeschichtlichen Freilichtmuseen Europas.

Historische Höfe, Dörfer, Werkstätten und Mühlen wurden an ihren ursprünglichen Standorten abgebaut und im Museum originalgetreu wieder aufgebaut. Sie stehen nicht isoliert, sondern sind Teil einer jeweils regionaltypischen Kulturlandschaft mit Feldern, Wiesen, Gärten sowie Haus- und Nutztieren. So entsteht ein lebendiges Bild des Alltagslebens vergangener Jahrhunderte. 

Die Gebäude wurden nach zwei grundlegenden Prinzipien angeordnet: Sie bilden regionale Haus- und Siedlungsformen ab und zeigen den Zustand einer bestimmten Zeit. Dadurch können Besucherinnen und Besucher die Entwicklung von Landschaft, Architektur und Lebensweisen über mehrere Jahrhunderte hinweg nachvollziehen. Darüber hinaus sind sie in eine jeweils regional- und zeittypische Kulturlandschaft mit Wiesen und Äckern, Wäldern und Gärten eingebettet.

Der Norden

Im Norden Westfalens liegen die alten Fürstbistümer Osnabrück und Minden sowie die früheren Grafschaften Tecklenburg, Ravensberg und Lippe. Die Landschaft gliedert sich in Teutoburger Wald und Wiehengebirge und dem anschließenden Hügelland im Übergang zur norddeutschen Tiefebene.

Ein Fachwerkhaus mit zwei Eingangstoren zwischen Bäumen

Das niederdeutsche Hallenhaus ist in diesen Regionen besonders prägend und in monumentalen Beispielen anzutreffen. Entsprechend der vorherrschenden Siedlungsform wird der Norden Westfalens im Museum durch eine lockere Höfegruppe aus mehreren bäuerlichen Hofanlagen und einigen Kotten repräsentiert. Dazu gehören der Osnabrücker Hof, der Mindener Hof, Doppelheuerhaus und Kotten sowie der Lippische Meierhof. Sie zeigen das Leben in der Zeit zwischen 1750-1800.

Der Westen

Der Westen Westfalens umfasst das flache bis leicht hügelige Tiefland der „Westfälischen Bucht“ zwischen dem Teutoburger Wald und der niederländischen Grenze. Kernraum ist das Münsterland und im Süden daran anschließend die sehr fruchtbare Hellwegregion (nordöstliches Ruhrgebiet).

Links ein großes Fachwerkhaus, rechts drei kleinere Fachwerkhäuser, dazwischen ein geschotterter Weg.

Ackerflächen, Wiesen und Weiden werden durch „Knicks“ (Wallhecken) begrenzt und wechseln mit kleinen Waldstücken ab. Die Höfe bestehen aus großen niederdeutschen Hallenhäusern und Nebengebäuden. Sie liegen in „Drubbeln“ (lockeren Gruppensiedlungen) oder als große Einzelhöfe. Im Museum sind dies der Münsterländer Gräftenhof, der Westmünsterländer Hof und der Westhellweghof sowie die einst in dieser Region gelegene Schule Thöningsen. Die Gebäude sind in ihrem Zustand in der Zeit zwischen 1800-1860 dargestellt.

Der Osten

Der Osten Westfalens umfasst das westliche Weserbergland und das Eggegebirge, die dünn besiedelte Paderborner Hochfläche und die flachen Gebiete um Brakel und Warburg.

Luftaufnahme eines Dorfes von oben; etwa 20 Gebäude gruppieren sich um einen Dorfteich und eine von einer Mauer umrandete Wiese.

Die vorherrschende Siedlungsform dieser Region ist das große, geschlossene Haufendorf, wie es durch das Paderborner Dorf im Museum repräsentiert wird. Das Delbrücker Land zwischen den Oberläufen von Ems und Lippe bildet mit seiner lockeren Streusiedlung den Übergang zum Münsterland. Das Paderborner Dorf zeigt das dörfliche Leben um 1900. Neben großen Höfen finden sich im Dorfbild auch Handwerkerhäuser und Werkstätten, Mietshäuser und sogenannte „Armeleutehäuser“. Das Dorf ist um einen zentralen Kirchplatz angelegt. Kirche und Friedhof, als die beiden prägenden Elemente eines solchen Dorfes, fehlen aber derzeit noch.

Der Süden

Die Landschaft des südlichen Westfalens ist vom bewaldeten Mittelgebirge geprägt (östlicher Teil des Rheinischen Schiefergebirges) und gliedert sich in das westliche (märkische) und östliche (kurkölnische) Sauerland. Südlich des Rothaargebirges liegen Sieger- und Wittgensteiner Land.

Wohnzimmer mit Einrichtung der 1950er Jahre: In der Mitte ein Tisch mit Stühlen und Sofa, links ein Schrank und ein Holzofen, rechts ein Fernseher auf einer Anrichte.

Einzelhöfe, Weiler und Kleindörfer in Tallagen bestimmen das Siedlungsbild. Im Museum wird der Süden Westfalens durch die Baugruppen Sauerländer Dorf und Siegerländer Weiler repräsentiert. Das Sauerländer Dorf zeigt das Leben in der Zeit um 1920 mit beginnender Elektrifizierung des ländlichen Raums. Mit dem Siegerländer Weiler führt die Ausstellung in die Nachkriegszeit der 1950er- und 1960er-Jahre – eine Epoche, die für viele Menschen noch mit persönlichen Erinnerungen verbunden ist.

Die Mühlen

eine Windmühle mit bespannten Flügeln und umlaufender Galerie vor blauem Himmel

Drei historische Mühlen ergänzen die Dauerausstellung: die Wassermühle am Eingang des Geländes, die Kappenwindmühle zwischen Westhellweghof und Paderborner Dorf sowie die Bockwindmühle am Paderborner Dorf.

An ihnen lässt sich die technische Entwicklung der Nutzung von Wind- und Wasserkraft anschaulich nachvollziehen.

Fürstlich-lippische Geschichte im Museum

Auf einem grasbewachsenen Hügel steht ein leicht gebogenes Gebäude mit Schieferdach und einem Anbau aus Fachwerk

Das heutige Museumsgelände gehörte über Jahrhunderte den Grafen und späteren Fürsten zur Lippe in Detmold. Gräfin Amalie ließ um 1690 das Krumme Haus als Orangerie errichten, das heute als Verwaltungsgebäude für das Museum genutzt wird. Vor dem Gebäude entstand um 1695 ein barocker Lustgarten, der durch einen schiffbaren Kanal mit dem Residenzschloss in Detmold verbunden war. Später wurde die Anlage zu einem englischen Landschaftsgarten umgestaltet. Die Gartenanlage soll in den nächsten Jahren als „Zukunfts-Lust-Park Friedrichstal“ wiederbelebt werden.

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