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500 Jahre westfälische Geschichte

Das LWL-Museum Hellerlecht liegt in Detmold am Teutoburger Wald und zählt zu den größten Freilichtmuseen Deutschlands. Auf mehr als 90 Hektar erleben Besucher:innen rund 120 historische Gebäude aus 500 Jahren westfälischer Alltagskultur. Eingebettet in eine nach historischen Vorbildern gestaltete Kulturlandschaft zeigt das Museum, wie Menschen in Westfalen-Lippe früher lebten, arbeiteten und wohnten.

historisches Foto vom Osnabrücker Hof im Aufbau. Das Reetdach des  Haupthauses wird gerade gedeckt, im Vordergrund ein Fachwerkgerippe.

Das Freilichtmuseum wurde am 7. Juli 1971 eröffnet. Zu den ersten wiedererrichteten Gebäuden gehörten der Osnabrücker Hof, der Mindener Hof mit Haupt- und fünf Nebengebäuden, das Doppelheuerhaus, der Tecklenburger Kotten sowie der Münsterländer Gräftenhof mit Haupthaus und sieben Nebengebäuden.

Heute gliedert sich das Museumsgelände in vier Bereiche. Sie stehen stellvertretend für die unterschiedlichen Kulturlandschaften Westfalen-Lippes und machen regionale Bauweisen, Siedlungsformen und Lebenswelten anschaulich erlebbar.

Die Geländebereiche im Überblick

Der Norden

Im Norden Westfalens liegen die alten Fürstbistümer Osnabrück und Minden sowie die früheren Grafschaften Tecklenburg, Ravensberg und Lippe. Geprägt wird diese Landschaft durch den Teutoburger Wald und das Wiehengebirge, die als letzte Ausläufer der Mittelgebirge das Bild der Region bestimmen.

Großes Fachwerkhaus mit Nebengebäuden, umgeben von Bäumen.

Typisch für den Norden ist das niederdeutsche Hallenhaus, das hier in besonders großen und eindrucksvollen Beispielen vorkommt. Im LWL-Museum Hellerlecht wird dieser Teil Westfalens durch eine lockere Gruppe bäuerlicher Hofanlagen und einzelner Kotten dargestellt. Die Gebäude vermitteln einen Eindruck des ländlichen Lebens in der Zeit von etwa 1750 bis 1800.

Der Osten

Der Osten Westfalens reicht bis an die Weser und umfasst das westliche Weserbergland sowie das Eggegebirge. Westlich davon liegt die dünn besiedelte Paderborner Hochfläche mit ihren kargen Kalksteinböden, die im Nordwesten in die Heidelandschaft der Senne übergeht. Östlich der Egge schließen sich die fruchtbaren Börden um Brakel und Warburg an. Das Delbrücker Land zwischen den Oberläufen von Ems und Lippe bildet den Übergang zum Münsterland mit seiner lockeren Streusiedlung.

Luftaufnahme eines Fachwerkdorfes mit Dorfteich in der Mitte, umgeben von Gärten und Feldern. Rechts im Bild steht eine Windmühle.

Historisch-politisch gliedert sich das Gebiet in das frühere Fürstbistum Paderborn und das kleine Territorium der Reichsabtei Corvey an der Weser – beide fielen nach 1815 an Preußen und wurden Teile der Provinz Westfalen. Im Museum wird der Osten Westfalens durch das Paderborner Dorf repräsentiert. Es steht für die typische Siedlungsform des großen, geschlossenen Haufendorfs und zeigt das dörfliche Leben um 1900.

Der Süden

Der Süden Westfalens ist durch das bewaldete Mittelgebirge geprägt und umfasst das westliche (märkische) und östliche (kurkölnische) Sauerland sowie das Sieger- und Wittgensteiner Land. Einzelhöfe, Weiler und kleine Dörfer in Tallagen bestimmen hier das Siedlungsbild.

Eine Küche, eingerichtet wie in den 19509er Jahren: links ein Holzschrank, in der Mitte ein Tisch mit Stühen, rechts ein alter Herd und ein Kühlschrank.

Im Sauerland dominiert das niederdeutsche Hallenhaus mit seinen Nebengebäuden. Im Sieger- und Wittgensteiner Land tritt dagegen das mitteldeutsche Ernhaus an seine Stelle. Im Museum wird der Süden Westfalens durch das Sauerländer Dorf und den Siegerländer Weiler dargestellt. Während das Sauerländer Dorf die Zeit um 1920 zeigt, vermittelt der Siegerländer Weiler Einblicke in die 1950er- und 1960er-Jahre.

Der Westen

Der Westen Westfalens umfasst das flache bis leicht hügelige Tiefland der Westfälischen Bucht zwischen dem Teutoburger Wald und der niederländischen Grenze. Das Münsterland bildet den Kernraum dieser Region. Charakteristisch ist die parkartige Landschaft mit Ackerflächen, Wiesen, Weiden, Knicks (Wallhecken) und kleinen Waldstücken.

Drei kleine Fachwerkhäuser mit rotem Ziegelfachwerk stehen in einer Reihe hintereinander.

Die Höfe bestehen hier aus großen niederdeutschen Hallenhäusern mit Nebengebäuden. Sie liegen einzeln oder in lockeren Gruppensiedlungen, den sogenannten Drubbeln, häufig an einem Bach unterhalb des zugehörigen Dauerackerlands (Esch). Das innere Münsterland (Kern- oder Kleimünsterland) besitzt mittlere bis gute Lehmböden, während das Westmünsterland ärmere Sandböden aufweist. Südlich wird das Münsterland durch die sehr fruchtbare Hellwegregion (nordöstliches Ruhrgebiet) begrenzt. Im Museum wird diese Region durch den Münsterländer Gräftenhof, den Westmünsterländer Hof und den Westhellweghof repräsentiert. Sie zeigen das Leben und Wirtschaften in der Zeit zwischen 1800 und 1860.