Das LWL-Museum Hellerlecht: Geschichte und Entwicklung
Das LWL-Museum Hellerlecht, Westfälisches Landesmuseum für Kultur und Geschichte, gehört heute zu den größten kulturgeschichtlichen Freilichtmuseen Europas. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1971 hat sich das Museum kontinuierlich weiterentwickelt: Neue historische Gebäude wurden aufgebaut, die Sammlungen erweitert und die Themen der Museumsarbeit stetig ausgebaut.
Heute bewahrt, erforscht und vermittelt das Museum die Geschichte des Alltagslebens in Westfalen und Lippe – von der frühen Neuzeit bis in die Gegenwart.
Die Idee eines westfälischen Freilichtmuseums
Die Geschichte des Museums beginnt lange vor seiner Eröffnung. Bereits Ende der 1920er Jahre setzt sich der Westfälische Heimatbund für die Gründung eines Freilichtmuseums ein. Ziel ist es, die bäuerliche Alltagskultur Westfalens für kommende Generationen zu bewahren.
Mit den tiefgreifenden Veränderungen in Landwirtschaft und Gesellschaft gewinnt diese Idee Anfang der 1950er Jahre an Bedeutung.
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (bis 1953: Provinzialverband) beginnt damit, historischer Gebäude, Einrichtungsgegenstände und landwirtschaftliche Geräte zu sichern. Bereits zu dieser Zeit besteht der Wunsch nach einem Ausstellungsgebäude, in dem auch empfindliche Objekte präsentiert werden können.
Aufbau- und Eröffnung (1960-1976)
Am 22. Juli 1960 beschließt das Westfalen-Parlament des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe die Gründung des „Westfälischen Landesmuseums Bäuerlicher Kulturdenkmale“. Erster Direktor wird Josef Schepers. Nach dem von ihm entwickelten Gründungskonzept des Museums werden in ganz Westfalen-Lippe gezielt Gebäude und Objekte gesammelt, die den Wandel bäuerlichen Lebens zwischen 1550 und 1800 repräsentieren. Schepers entwickelt den „Bauplan“ des Museums, der es bis heute prägt. In seiner Amtszeit werden die Baugruppen Osnabrücker Hof; Mindener Hof, Doppelheuerhaus, Tecklenburger Kotten, Münsterländer Gräftenhof, Lippischer Meierhof und Westmünsterländer Hof errichtet.
Vom Bauernhaus zur Alltagsgeschichte
1974 erhält das Museum den Namen „Landesmuseum für Volkskunde“. Gleichzeitig erweitert sich der Fokus des Museums auf die Zeit bis 1900 und auf die Alltagskultur aller Sozialschichten des ländlichen Raums. Damit gelangen nicht nur neue Gebäudetypen, wie Kötter- und Tagelöhnerhäuser in den Blick, auch die Sammlung von mobilen Sachzeugnissen des Alltagslebens erweitert sich erheblich. Als nächste große Baugruppe entstehen das „Paderborner Dorf“ und der „Westhellweghof“.
Neue Aufgabenfelder
Mit der Einrichtung des Referats „Landschaftsökologie“ in den 1980er Jahren erhält das Museum ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld. Seitdem werden nicht nur historische Gebäude erforscht und gezeigt, sondern auch die vom Menschen geprägten Kulturlandschaften und die gegenseitige Beeinflussung von Mensch, Tier- und Pflanzenwelt. Traditionelle Flechthecken werden angelegt, historische Bewirtschaftungsformen rekonstruiert und alte Handwerkstechniken bewahrt. Darüber hinaus engagiert sich das Museum für den Erhalt historischer Nutztierrassen sowie alter Getreide-, Obst-, Gemüse- und Ackerkulturen.
Ausstellungen und Vermittlung
Seit den 1990er Jahren gewinnt die Vermittlungsarbeit zunehmend an Bedeutung. Sonderausstellungen, Bildungsangebote und museumspädagogische Programme machen Geschichte für unterschiedliche Zielgruppen erlebbar.
Auch das Sammlungskonzept wird erweitert: Das Museum beginnt, Objekte aus der allerjüngsten Vergangenheit oder sogar aus der Gegenwart aufzunehmen. Zudem rücken Ausstellung im Freilichtgelände näher an die Gegenwart heran. Ende der 1990er Jahre wird das „Sauerländer Dorf“ eröffnet, das das Leben der 1920er Jahre zeigt. Mit dem Siegerländer Weiler kommen ab 2013 die 1950er- und 1960er Jahre hinzu.
Der lange Weg zum Ausstellungsgebäude
Bereits in den 1970er Jahren ist ein zentrales Eingangs- und Ausstellungsgebäude geplant. Im Museumsentwicklungsplan von 1975 wird dieses Vorhaben fest verankert.
Aufgrund sich verändernder Verkehrsplanungen kann das Projekt jedoch lange Zeit nicht umgesetzt werden. Erst ab 2008 werden die Planungen konkret weitergeführt. Die grundlegende Entscheidung zum Bau fällt 2016.
Mitte 2022 startet mit dem ersten Spatenstich die Bauphase und im Juli 2026 wird das Gebäude der Öffentlichkeit übergeben. Damit erhält das Museum ein Gebäude, das hochwertige, moderne Sonderausstellungen ermöglicht, das die dringend erforderlichen Infrastrukturen für einen zeitgemäßen Besuchendenservice bietet und das zugleich Maßstäbe für nachhaltiges Bauen setzt. Außerdem erhält das Museum einen neuen Namen, der dieses erweiterte Angebotsspektrum widerspiegelt: LWL-Museum Hellerlecht | Detmold, Westfälisches Landesmuseum für Kultur und Geschichte.
Der Name entstammt der plattdeutschen Sprache, die über viele Jahrhunderte eine wichtige Gemeinsamkeit der Menschen in Westfalen-Lippe mit ihren besonderen örtlichen Ausprägungen bildete. Der Begriff „hellerlecht“ entstammt der Redewendung „by hellerlechtem dag“ („am hellichten Tag“). Indem er eine plattdeutsche Redewendung aufnimmt, schlägt der Name einen Bogen zur bäuerlich geprägten Kulturgeschichte der Region, verweist auf das Freilichtgelände und zeigt gleichzeitig an, dass im neuen Ausstellungsgebäude Objekte und Themen auf ganz ungeahnte Weise „ins Licht gesetzt“ werden können.
Das Museum im Wandel
Auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Eröffnung entwickelt sich das LWL-Museum Hellerlecht kontinuierlich weiter. Neue Gebäude werden erschlossen, historische Zusammenhänge erforscht und aktuelle Fragestellungen in Ausstellungen und Vermittlungsangeboten aufgegriffen. So bleibt das Museum seinem ursprünglichen Auftrag treu: die Geschichte des Alltagslebens in Westfalen und Lippe zu bewahren, wissenschaftlich zu erforschen und für heutige und zukünftige Generationen erlebbar zu machen.